Viel zu lange habe ich es vor mir hergeschoben, denn es fiel mir so schwer, die Entscheidung zu treffen, sie zu töten.
Es war ja auch eine der ersten beiden, die im letzten Jahr
hier bei mir geschlüpft ist. Und schließlich wusste ich auch nicht, WIE ich es tun sollte. Einfach zerquetschen, das hätte ich nicht übers Herz gebracht. Die Imkerkollegen nennen das "abdrücken".
Aber wer zuerst ganz lange gar keine, und dann so unordentlich seine Eier ablegt, der muss ersetzt werden.
Ein Imker gab mir am Samstag den Tipp, doch einfach das Absperrgitter zwischen den beiden Völkern wegzunehmen, dann würden die Königinnen das unter sich regeln. Dieser Vorschlag gefiel mir gar nicht: Wenn nun zufällig die schlechte Königin die stärkere sein sollte, dann würde vielleicht sie den Kampf gewinnen und am Ende übrig bleiben . . . nein, das wollte ich nicht riskieren.
"Wer imkern will, der muss auch töten können."
Das hat mir ein anderer Imker vor einiger Zeit gesagt. Ich bin (noch) keine gute Imkerin — ich habe es mir sehr schwer gemacht, und abdrücken mochte ich sie schon gar nicht.
Nachdem ich über eine ganze Reihe von Tötungsmethoden nachgedacht habe, und meine Schwester mir gesagt hatte, dass das Zerquetschen ein ganz mieses Karma gäbe, habe ich sie schließlich in den Gefrierschrank gelegt. Erfrieren soll ein recht sanfter Tod sein, habe ich mal gehört.
Als ich später in die Dose geschaut habe, tat es mir so Leid, dass die arme Königin am Ende so ganz alleine, ohne ihren Hofstaat, in einer kleinen Eisdose erfrieren musste. Ganz einsam, klein und zusammengekrümmt lag sie da, tiefgefroren. Und ich kam mir so schäbig vor.
Dann habe ich sie im Blumenbeet bestattet und um sie geweint. Nun liegt sie da, und über ihr tränen die Herzen. Ich glaube, meine Imkerkollegen würden mich auslachen, wenn sie wüssten, dass ich um eine tote Biene trauere.
Doch das Leben geht weiter, und hier wird schon gerade die nächste Königin gemacht:
Volk Taubenblau ist tot, es lebe Volk Rosa!