Montag, 13. Mai 2013

Mörderin

Viel zu lange habe ich es vor mir hergeschoben, denn es fiel mir so schwer, die Entscheidung zu treffen, sie zu töten.

Es war ja auch eine der ersten beiden, die im letzten Jahr hier bei mir geschlüpft ist. Und schließlich wusste ich auch nicht, WIE ich es tun sollte. Einfach zerquetschen, das hätte ich nicht übers Herz gebracht. Die Imkerkollegen nennen das "abdrücken".

Aber wer zuerst ganz lange gar keine, und dann so unordentlich seine Eier ablegt, der muss ersetzt werden.


Ein Imker gab mir am Samstag den Tipp, doch einfach das Absperrgitter zwischen den beiden Völkern wegzunehmen, dann würden die Königinnen das unter sich regeln. Dieser Vorschlag gefiel mir gar nicht: Wenn nun zufällig die schlechte Königin die stärkere sein sollte, dann würde vielleicht sie den Kampf gewinnen und am Ende übrig bleiben . . . nein, das wollte ich nicht riskieren.


"Wer imkern will, der muss auch töten können."
Das hat mir ein anderer Imker vor einiger Zeit gesagt. Ich bin (noch) keine gute Imkerin — ich habe es mir sehr schwer gemacht, und abdrücken mochte ich sie schon gar nicht.

Nachdem ich über eine ganze Reihe von Tötungsmethoden nachgedacht habe, und meine Schwester mir gesagt hatte, dass das Zerquetschen ein ganz mieses Karma gäbe, habe ich sie schließlich in den Gefrierschrank gelegt. Erfrieren soll ein recht sanfter Tod sein, habe ich mal gehört.

Als ich später in die Dose geschaut habe, tat es mir so Leid, dass die arme Königin am Ende so ganz alleine, ohne ihren Hofstaat, in einer kleinen Eisdose erfrieren musste. Ganz einsam, klein und zusammengekrümmt lag sie da, tiefgefroren. Und ich kam mir so schäbig vor.


Dann habe ich sie im Blumenbeet bestattet und um sie geweint. Nun liegt sie da, und über ihr tränen die Herzen. Ich glaube, meine Imkerkollegen würden mich auslachen, wenn sie wüssten, dass ich um eine tote Biene trauere.


Doch das Leben geht weiter, und hier wird schon gerade die nächste Königin gemacht:


Volk Taubenblau ist tot, es lebe Volk Rosa!

Kommentare:

la stella di gisela hat gesagt…

Oh… :-( das berührt mich auch….ich glaube dir, daß so was nicht leicht fällt! Ich trauere heute um unsere 4 Hühner und unseren Hahn. Gestern Nacht kam ein Fuchs zu uns in den Garten, als der Hühnerstall noch nicht zu war….frag mal wie es mir und den Mädels heute geht….alle Hühner hatten Namen, und waren so zahm, daß man sie streicheln konnte. Nur ein Huhn hat wie durch ein Wunder überlebt…..du siehst - es gibt noch mehr Menschen, über die andere den Kopf schütteln….was sind schon Hühner, was sind schon Bienen….für manche Menschen aber eben was Besonderes!
Liebe Grüße
Gisela

die Malerin hat gesagt…

Du bist mir eine, aber was sagen wir hier im Rheinland immer wat mut dat mut. Du hast geschafft, das Problem zu lösen. Hoffe Du bekommst dieses Jahr wieder viel Honig.

Ganz, liebe Grüße
Lydia♥♥♥

PS: Habe meinen Mogelrobert aus dem Winterquartier geholt, mal sehen wie er kommt. :-))

Anna hat gesagt…

du bist bestimmt eine gute imkerin , nur weil dir das töten von lebewesen und wenn sie noch so klein sind nicht leichtgefallen ist, zeigt doch nur das du das herz am rechten fleck hast.
herzlichst AnnA

Susanne Deskaj hat gesagt…

Oh je ,das wusste ich gar nicht, dass Imker auch ihre Königinnen töten müssen, wenn sie nicht mehr gut arbeiten.
Nun ja, für die meisten ist das Töten eines Insektes ja nichts besonderes.
Macht man ja fast täglich... Mücken, Spinnen, Fliegen usw. ...
aber bei Bienen ist das, glaub ich, wirklich was anderes, besonders für den Züchter.
Kann mir gut vorstellen, wie schwer das war! Dass sie nun auch noch ein Grab hat, finde ich sehr rührend. Noch dazu so ein schönes!

Ich wünsch ihr alles Gute im Bienenhimmel!

Liebe Grüße
Susi

hexhex-design hat gesagt…

Liebe Raphaela,
mir wäre es nicht anders gegangen, ich kann das auch nicht und mir ist es egal ob mich andere auslachen. Ich weiß aber nicht, wie gut abgelegte Eier aussehen, ich kann da jetzt keine Unordnung erkennen. Du kennst Dich sicher gut damit aus. Jetzt hoffe ich für Dich, Deine übrig gebliebenen Bienchen arbeiten fleißig und das Wetter wird besser. Bei uns sieht man immer noch nicht viele Bienen, nur einzelne.
LG Lesley

Geli Montclain hat gesagt…

ach Raphaela, was soll ich dazu sagen, Mörderin kingt hart, natürliche Auslese würde ich es nennen, aber warum und wie, davon verstehe ich nichts, du aber doch, also war es gut und richtig so und damit kann ein gesundes Volk wieder Honig sammeln...

lG Geli

Weserkrabbe hat gesagt…

Hallo Raphaela bin über beby-piri zu Dir gelangt, weil mich die Geschichte zu dem Tränenden Herz dann doch sehr interessierte. Und sie hat mich auch wirklich berührt. Du hast die am wenigsten schmerzvolle Methode vollzogen und das ehrt Dich sehr. Ich drücke die Daumen, dass die neue Königin alles besser macht. Und ich werde öfter bei Dir vorbeischauen, mir gefällt Dein Blog.

liebe Grüsse
Brigitte die Weserkrabbe

hexhex-design hat gesagt…

Sicher sage ich Bescheid, Du weißt schon was ;0)
LG Lesley

Hans hat gesagt…

Wenn die Natur oder besser gesagt die Bienen, die Probleme mit einer ungeeigneten Königin nicht selbst lösen kann, dann muss der Mensch mit seiner Vernunft eingreifen. Das wissen ja wohl die meisten Imkerinnen und Imker.
Dass hier der rasche und auch schmerzfreie Tod mit „abdrücken“ wohl die beste Methode sei und nicht das langsamere Erfrieren im Gefrierschrank-KZ ist wohl nur mit „aus den Augen, aus dem Sinn“ zu begründen. Wenn ich da auch noch so einen Schmarrn lese, „abdrücken“ ergäbe ein mieses Karma, dann frage ich mich, sind die Menschen noch dümmer als eine Stubenfliege. Da gibt es Menschen, die stolz sind, auf jede Religion zu pfeifen und dann kommt das Karma ins Spiel.
Ich finde dann auch noch die „Erdbestattung“ unter einem „Herzerlstock“ einfach lächerlich. Wird etwa auch noch eine „Budda“-Statue oder ein anderes religiöses Symbol aufgestellt?
Nun, ich bin absolut tierfreundlich und mir ist das Leben und Wirken der Bienen absolut von Bedeutung. Zudem interessiere ich mich mächtig mit den Problemen in der Bienenzucht und hoffe, dass das Bienensterben ein Ende findet. Die Pestizide sind sicherlich auch ein Problem, aber mit Sicherheit nicht das alleinige.
Beim Durchlesen der Kommentare habe ich das Gefühl, dass wohl der Großteil der Schreiberinnen schon weit über 80 Jahre alt sind, denn an „Wunderlichkeit“ ist manches nicht zu überbieten. Diesen Damen würde ich empfehlen, dass sie auch den Gelsen und Bremsen nichts zu leide tun, wenn sie gestochen werden, denn wenn sie ihr Verlangen nach Blut gestillt haben, fliegen sie ohnehin wieder ab.
Dies meint der nicht märchengeschädigte
Dahling Hans

Roswitha hat gesagt…

Hans auf´s Herz ;-)

beby-piri hat gesagt…

ach Raphaela, so ausführlich wollte ich deinen Tat doch gar nicht wissen, hat sich dann auch wie ein Krimi gelesen. Bewundernswert finde ich aber schon, wie du dich in die Bienen legst und sie als deine Haustiere haltest. Mein Bauer liest deine Bienen Erlebnisse übrigens sehr gerne und nein, beim Betrachten des geschwollenen Auge war keine Freude als er lachte, eher grosses Mitgefühl. Weiss er doch, wie sich ein Imker fühlt, wenn er geküsst wird. Eine feine Geste, die Königin unter das tränende Herz zu legen, so bekommt die Pflanze wie auch das Tier seine Hochachtung. Meine 3 Bilder mit dem gemalten Herz waren gleich am ersten Tag der Ausstellung verkauft.... was mich natürlich freut. Nun hoffe ich, das dein Bienenvolk mit deiner gewählten Königin auch stark wird. Herzlich Piri